So gesund ist Egoismus!

So gesund ist Egoismus!

Egoismus soll gesund sein? Aber ja!

Und das, obwohl uns von Kindesbeinen an eingetrichtert wird, nicht ständig nur an uns selbst zu denken, stets anderen zu helfen, nicht selbstsüchtig zu sein!? 

Nun, das ist ja auch alles irgendwie richtig und gut - aber...

Es geht hier nicht um Egozentrik oder - noch schlimmer - Egomanie oder gar Narzissmus. Ich fordere dich auch nicht dazu auf, ab jetzt auf „dicke Hose“ zu machen und dich grob und rücksichtslos gegenüber deinem Umfeld zu verhalten. Im Gegenteil.

"Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die des Nächsten beginnt"


Was also ist gesunder Egoismus?

Der gesunde Egoismus ist eine Denk-, Fühl- und Handlungsweise, die dir ein ganzheitliches Selbstbewusstsein schafft. Er ist gleichzusetzen mit Selbstfürsorge – und die ist dein Geburtsrecht. Das bedeutet, dass diesen Egoismus jeder Mensch für sich beanspruchen soll und darf.

Vielleicht gehörst du auch zu den Menschen, die selbst fühlen, öfter mal NEIN sagen zu wollen. Oder Familie und Freunde haben dich sogar schon mal darauf aufmerksam gemacht. Vielleicht aber hast du dir das Neinsagen ja auch schon längst selbst auf die Fahne geschrieben oder bist mit diesem Vorsatz ganz mutig und entschlossen ins Neue Jahr gestartet. Das ist super!

Doch wie geht es dann meistens weiter? Kaum kommt die oder der Erste aus deinem privaten oder beruflichen Umfeld mit einer Bitte oder einem Auftrag auf dich zu, wirst du weich. Und knickst ein.

Du sagst JA, während dein ganzer Körper „NEIN" schreit.

„Naja“, sagst du, „ich helfe halt gern. Natürlich merke ich schon irgendwie, dass es mir zunehmend schwerer fällt. Aber wenn man mich doch braucht. Und das ist doch toll, gebraucht zu werden. Da muss man halt auch mal zurückstecken. Ich kann ja nicht immer nur an mich denken!“  

Erkennst du dich wieder?

Du kannst nur stark sein, wenn du stark bist!

Ich möchte dir mal anhand meines Lieblingsbildes, meiner Lieblingsmetapher zeigen, was ich mit diesem für alle gesunden Egoismus meine. Vor einigen Jahren war ich als Softwareberater eines grossen deutschen Konzerns tätig. Diese Aufgabe brachte es mit sich, dass ich häufig mit dem Flugzeug reisen musste und dabei hatte ich natürlich auch immer Gelegenheit, mir die vor jedem Start obligatorischen Sicherheitshinweise anzuhören.

Bist du auch schon mal geflogen und hast mitbekommen, was die Flugbegleiter*innen dabei sagen?

Es beginnt ungefähr so: „Im unwahrscheinlichen Fall eines plötzlichen Druckverlustes in der Kabine fallen automatisch Sauerstoffmasken von der Kabinendecke…“ . Weisst du, wie es weitergeht, was du mit der Sauerstoffmaske machen sollst?

„Ziehen Sie eine der Masken zu sich heran, pressen Sie sie fest auf Mund und Nase und ziehen Sie das Gummiband über den Kopf. Danach helfen Sie Mitreisenden und Kindern.“

DANACH! Irre, oder?!

Die verlangen doch allen Ernstes, dass du dich zuerst um dich selbst kümmern und dann erst Anderen helfen sollst. Unglaublich, oder?! 

Aber im Ernst: genau diese Vorgehensweise überträgst du bitte ab sofort auf deinen Alltag! Denn wie sollst du anderen helfen können, wenn du selbst keine Luft zum Atmen bekommst?

Gesunder Egoismus führt zu mehr Selbstvertauen und Offenheit gegenüber seiner Umwelt

Selbstfürsorge = Egoismus?

Wenn ich sage "Sorge für dich!", klingt das für dich nach einer Aufforderung, egozentrisch und anmaßend zu sein – oder doch eher nach einer gesunden Notwendigkeit? Denn sag mir, wieviel Kraft hast du auf Dauer, um anderen eine Stütze oder Begleitung zu sein, wenn du nicht regelmässig und immer wieder für dich selbst sorgst? Wie lange hältst du es wohl aus, ständig für deine Kollegen einzuspringen, die Kinder zu erziehen, perfekte/r Partner*in zu sein oder Angehörige zu pflegen?

Ohne, dass du dir auch immer wieder Gutes tust, um deine Tanks und Batterien aufzuladen?

Die Antwort ist denkbar einfach: nicht lange. Dieses Vorgehen geht immer nur eine begrenzte Zeit gut und du bildest dir deshalb fatalerweise anfangs ein, dieser Zustand bliebe so. Aber das tut er nicht. Weil ständig Energie von dir abfliesst. 

Irgendwann ist die Luft raus und du funktionierst nur noch.

Wohl also dem, der es rechtzeitig merkt. Aber dann gibt es ja noch diesen Quatschie in dir, der dir ständig ein schlechtes Gewissen macht, wenn du mal eine Pause einlegen musst oder krank wirst. Und dann fällst du irgendwann vielleicht ganz aus. Willst du das wirklich so haben? Ich denke nicht.

Was du tun kannst.

Vielleicht denkst du jetzt einmal an die Gesichter der Menschen, denen du irgendwann mal einen Wunsch abgeschlagen oder zu denen du Nein gesagt hast. Wie haben sie reagiert? Waren Sie erstaunt, sauer oder enttäuscht? Oder haben sie es hingenommen und akzeptiert? Ich wette, dir ist deshalb noch nie der Himmel auf den Kopf gefallen. Und das Wichtigste ist: Wie hast DU dich dabei gefühlt – und warum?  

Fakt ist, dass du nicht die Verantwortung dafür übernehmen kannst und musst, wie andere auf deine Sendung reagieren. Sie empfangen und bewerten aufgrund ihrer ganz eigenen Lebensgeschichte und natürlich nur mit den Mitteln, die aufgrund von Erziehung, Lernen, Erfahrung und Veranlagung zur Verfügung stehen. Sozusagen ist das alles deren ‚Kram‘ und darf auch dort bleiben. 

Leider gibt es dabei trotzdem immer auch Menschen, die es schaffen, dir ein schlechtes Gewissen zu machen. Mach dir dann bewusst, dass sie wollen, dass du auf eine bestimmte Art empfindest. Sie kreieren ein schlechtes Gewissen - und du lässt es aus irgendwelchen Gründen zu. Aber: Es ist nicht deins! 

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Dein Leben ist dein Haus.

Niemand ist mehr verantwortlich für dein Leben als du selbst. Und deshalb darfst du es dir auch genau so einrichten, dass du dich darin wohlfühlst. Es ist wie eine gemütliche Wohnung oder ein heimeliges Haus, dessen Tapeten, Teppiche, Möbel und Vorhänge du selbst gestaltest. Und auch der ganze Nippes ist dein Teil. Du wirst in ein Nest geboren, dass warm und schützend, aber größtenteils leer ist. Mach was draus! Und lass dir nicht immer so viel reinreden. 😉

Aber ich möchte nicht zu sehr abschweifen, sondern dir ganz konkret eine mögliche Sicht auf diese Dinge mit auf den Weg geben…. 

Du bist ein Transporter.

Stell dir vor, du bist als Auto, besser noch als Transporter unterwegs durch dein Leben. Dein Lack glänzt, das Blech ist straff, dein Tank ist voll. Die Welt liegt vor dir. Dabei nehme ich an, dass du ganz weit kommen und lange fahren möchtest. Dein Tank hat aber natürlich nur ein begrenztes Fassungsvermögen und Tankstellen sind selten. 

In dieser Situation hast du zwei Möglichkeiten.

Zum Einen kannst du nun alles geben und rast mit Vollgas durch Zeit und Raum. Und dabei nimmst du alles mit, was dir andere Menschen am Strassenrand anbieten oder auf deine Ladefläche werfen. Manche springen auch einfach selbst mit auf. Das strengt an und du wirst langsamer, dein Motor fängt an zu keuchen und zu kochen… Um jetzt dein Ziel noch zu erreichen, brauchst du viel Glück. Aber du hoffst einfach mal auf deine Haltbarkeit. „Wird schon gutgehen…“.

Das kannst du so machen. Könnte klappen. Vielleicht.

Oder du versuchst, möglichst verbrauchsarm unterwegs zu sein, energieeffizient und stressfrei zu reisen. Nicht jede Möglichkeit zur Vollgasfahrt zu nutzen und deinen Verbrauch stets im Auge zu haben. Dabei schaust du genau hin, wer echte Hilfe benötigt mit seiner Last. Du wirst feststellen, dass die meisten ihre Päckchen sehr gut alleine tragen können. Wahrscheinlich zetern einige rum und rufen dir unflätiges Kauderwelsch hinterher, weil sie so sehr hofften, eine/n Dumme/n gefunden zu haben, die/der sie mitnimmt. Aber das ist dir egal. Du schaust mal links, mal rechts und nimmst dir Zeit für die Sehenswürdigkeiten deines Lebens.

Wer dich auf diesem Weg begleiten möchte, ist gern gesehen – wer dir Wege vorschreiben will, darf aussteigen.

Entspannung und Zufriedenheit.

Und weil du das so klar und offen sagst, sitzen ein paar Menschen dankbar auf deiner Ladefläche und geniessen die Zeit mit dir – bis sie sich soweit erholt haben, um wieder alleine gehen zu können – oder sie ihr Ziel erreicht haben.

Kannst du dir vorstellen, wie sehr du genau diesen Menschen geholfen hast?! Denen, die wirklich deine Hilfe brauchten. Allein dadurch, dass du etwas gelassener unterwegs warst, einigen Wenigen die Mitfahrt verneint hast und somit deinen Verbrauch und Stresspegel senken konntest. Klasse, oder? Und dein Tank hat immer noch Reserven.

Natürlich entscheidest du immer wieder selbst, wie du an die Dinge, die dir in deinem Leben begegnen, herangehst.

Erinnere dich aber immer daran, dass du die Wahl hast!

Frage des Tages:

Wozu hast du zuletzt NEIN gesagt?

Was dir noch hilft, mehr zu dir zu stehen und über dich zu erfahren, erfährst du in diesem Artikel über Tradition und Zukunft.


4 Kommentare

  • Ein gesunder Egoismus? Das mag sich für viele möglicherweise auschließen, weil sich das nicht gehört. Aber warum nicht? Ich denke, es hat zum einen mit der Erziehung zu tun, denn man will ja auch gefallen und das fängt doch bei den ersten Bezugspersonen, den Eltern an und zieht sichweiter durch das Leben. Das Gefühl, vielleicht nicht (mehr) gemocht zu werden, wenn man einmal nein sagt. Ich habe festgestellt, dass, wenn jemand Dich kennt, oftmals merkt, wenn du etwas nicht willst oder ungern tust und das dem Gegenüber auch ausstrahlst. Und mir wurde besondersin der letzten Zeit, wo ich dies mehr mache. Es ist sogar mehr Respekt/Anerkennung der mir dafür entgegengebracht wird, dass ich ganz klar benenne, wenn ich etwas nicht möchte. Und wenn dich jemand wirklich mag, wird er dich auch nicht weniger schätzen als vorher. Sollte dem nicht so sein, würde ich diesen Kontakt sogar überdenken, aber das führt hier sicher zu weit. Keine Angst vor Sympathieverlust haben und auch mal nein sagen, darfst du dir gestatten.
    Danke für Deinen Input. Freue mich auf mehr.
  • Hey Sabine,
    danke für dein feedback! Und du hast recht - wenn man es nicht schon sehr früh im Leben mit auf den Weg bekommen hat, ist das NEIN-Sagen später schwerer zu lernen. Aber eben nicht unmöglich! Und es lohnt sich absolut.
    Toll, wie du das für dich schon umgesetzt hast!
    Henning
  • Wann ich das letzte mal „Nein“ gesagt habe?? Oh je....ämm.... lass mich mal überlegen...
    Sorry, fällt mir grad nichts ein. Vielleicht weil ich unbewusst Situationen vermeide, und so um ein „nein“ rumkomme? Aber ich kann auch schon Nein sagen, so ist es nicht! Aber es darf auch schon mehr werden, ich habe noch immer die Tendenz zum „ja dann halt“. Aber ich hab auch gelernt meinen Standpunkt klar zumachen, so dass allfällige Fragen viel wenige aufkommen können.
    Danke für Deine herrlich bildliche Veranschaulichung! Man weiss es zwar, aber es tut immer wieder gut von Zeit zu Zeit daran erinnert zu werden!
    Ich bin gespannt auf weitere tolle Artikel von Dir!
    Liebe Grüsse auch der Schweiz
    Claudi
  • Hey Claudi,
    ich erinnere dich gerne! :-) Lieben Dank für deine lobenden Worte - und ich wünsche dir mehr NEINs!
    Henning

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